Januar/Februar 2012

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Raffaels „Sixtinische Madonna“ auf einem Biedermeier-Ranftbecher Raffaels „Sixtinische Madonna“ auf einem Biedermeier-Ranftbecher

Deutschlands wohl berühmtestes Gemälde, die „Sixtina“ von Raffael, wird 2012 500 Jahre alt. Wie die „Mona Lisa“ im Pariser Louvre und die „Venus“ von Botticelli aus den Uffizien in Florenz ist die Sixtinische Madonna aus der Dresdener Gemäldegalerie Alte Meister ins kulturelle Gedächtnis eingegangen. Vor allem die beiden Puttenfiguren am unteren Bildrand , die als eigenständiges Motiv der Populärkultur millionenfach auf Postern oder Postkarten auftauchen, sind vielen Menschen geläufig.

Aber schon im 19. Jahrhundert hat das Bild gewissermaßen Karriere gemacht. Wir finden es nicht zufällig auf einem Ranftbecher mit Rubinüberfang, der um 1840/50 in Böhmen (möglicherweise in Karlsbad) mit diesem damals schon sehr bekannten Motiv graviert wurde und zur Sammlung des Glasmuseums gehört (Inv.-Nr. Sg. H. 169, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland). Auf der Gegenseite der Madonna sind sieben Kugeln eingeschliffen, die in der Durchsicht interessante optische Effekte erzielen. Raffael- und Leonardo-Madonnen sowie andere berühmte Gemälde (vor allem der Renaissance) wurden zu jener Zeit mit Hilfe von Drucken einer breiten kunstinteressierten Öffentlichkeit bekannt gemacht. Diese Stiche dienten ihrerseits den Glasschneidern als Vorlage.

„Sowohl die Form – sie war seit 1830 bis über die Jahrhundertmitte hinaus verbreitet – , als auch die Dekorationsstruktur unseres Bechers müssen sehr beliebt gewesen sein und lassen sich noch heute in zahlreichen Sammlungen belegen... Dass man einige sehr gute Stücke von Anton H. Pfeiffer und Emanuel Hoffmann, entstanden in Karlsbad, kennt, bedeutet freilich nicht, dass alle besseren Stücke von der Hand dieser Künstler stammen“  – so Günter Irmscher im Bestandskatalog des Glasmuseums (Glasmuseum Rheinbach. Köln 1988, S. 142, 148). Schliff und Schnitt sind durch den rubinroten Überfang in das Klarglas gearbeitet.
Doch zurück zu Raffaels Bild: Er schuf es 1512/12 im Auftrag von Papst Julius II. für die Klosterkirche San Sisto in Piacenza. Die Stadt war kurz zuvor dem Kirchenstaat einverleibt worden. „Die klassisch in Rot und Blau gewandete Madonna mit dem Jesuskind wird von Papst Sixtus II., der die Porträtzüge von Julius II. trägt, und der Heiligen Barbara flankiert. Die Gebeine dieser beiden Heiligen wurden in der Kirche San Sisto als Reliquien aufbewahrt. Eine maltechnische Meisterleistung dieses Werkes birgt der Hintergrund – aus größerer Entfernung glaubt man, Wolken zu sehen, bei näherer Betrachtung sind es jedoch zahllose Engelsköpfe.“ (Quelle: Wikipedia)
August III.,  sächsischer Kurfürst und polnischer König, Sohn von August dem Starken, wurde durch kunstagenten auf das damals nahezu unbekannte Raffael-Gemälde aufmerksam. 1753 kaufte er es der hoch verschuldeten Kirche aus Piacenza  für ansehnlichen Preis von 25000 Scudi romani ab. Vergleichbare großformatige Bilder zeitgenössischer Maler trugen damals 1000 Scudi ein! „In Dresden, im Audienzsaal des Königs, angekommen, soll der Legende zufolge August III. eigenhändig seinen Thronsessel mit den Worten weggerückt haben: ‚Platz für den großen Raffael!’. In der Dresdner Gemäldegalerie im ehemaligen Stallhof am Neumarkt hing das Gemälde seit 1754, 1855 erfolgte der Umzug in den Semperbau, wo die Präsentation nahezu sakral war. Beim Umzug soll der damalige Galeriedirektor Schnorr von Carolsfeld das Kunstwerk mit den Worten begrüßt haben: ‚Seine Exzellenz, Raffael von Urbino.’“ (Quelle: Internetseite der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden www.sdk.de )